Aulendorf stellt auf Doppik um

Wofür sich andere Städte und Gemeinden rund drei Jahre Zeit genommen haben, muss die Aulendorfer Stadtverwaltung in der Hälfte der Zeit bewältigen: die Umstellung auf ein neues kommunales Haushalts- und Rechnungswesen. Das betrifft nicht nur die Kämmerei, sondern alle Bereiche der Verwaltung. Den offiziellen Startschuss dazu hat der Gemeinderat mit einem einstimmigen Beschluss am Montag gegeben.

Spätestens ab dem 1. Januar 2020 müssen in Baden-Württemberg alle Kommunen und Landkreise ihre Haushalte auf ein doppeltes Buchungssystem (Doppik) umgestellt haben. Im Haushalt – bisher gegliedert in Vermögens- und Verwaltungshaushalt – werden nicht mehr allein Einnahmen und Ausgaben geführt, sondern sind dann auch sämtliche Vermögenswerte und die jährlichen Abschreibungen aufgelistet.

Ziel ist es, alle Erträge und Aufwendungen unter ständiger Kontrolle zu behalten und so zu verhindern, dass kommunale Infrastruktur verrottet und am Ende die Mittel fehlen, sie wieder in einen ordentlichen Zustand zu versetzen. Diesbezügliche Versäumnisse in der Vergangenheit hatten mit dazu geführt, dass die Stadt Aulendorf immense Anstrengungen unternehmen muss, um ihren Schuldenberg abzutragen, ohne ihre laufenden Verpflichtungen zu vernachlässigen.Verbunden war dies mit einem personellen Umbruch in der Verwaltung.

Hinzu kam, dass entsprechende Fachleute, die sich mit dem neuen kommunalen Haushalts- und Rechnungswesen auskennen, auf dem Arbeitsmarkt schwer zu bekommen sind. Das, so Bürgermeister Matthias Burth, sei ein wesentlicher Grund dafür, dass Aulendorf erst so spät in die Materie einsteigt. Inzwischen konnte aber eine entsprechende Planstelle besetzt werden. Die Stadt hat außerdem eine externe Fachfirma damit beauftragt, das städtische Infrastrukturvermögen (Straßen, Wege, Plätze) zu erfassen. Das werde noch im Lauf dieses Jahres erledigt.

Erfasst und bewertet werden müssen aber auch sämtliche Gebäude, Brücken, Mauern und ähnliches, das der Stadt ganz oder anteilig gehört. Gleiches gilt für das Anlagevermögen, das die Stadt vor dem Bilanzstichtag erworben hat. „Zumindest für die Gebäudebewertung wird gegebenenfalls externe Hilfe benötigt“, schreibt Kämmerer Dirk Gundel in der Verwaltungsvorlage. Einen neuen Softwareanbieter braucht die Stadt Aulendorf allerdings nicht.

Sowohl der Kämmerer als auch der Bürgermeister gaben sich in der Sitzung zuversichtlich, dass die Verwaltung diese Aufgabe im genannten Zeitraum bewältigen kann. „Wir können dabei auch von den Erfahrungen anderer Kommunen profitieren“, erklärte Burth, „und zeitraubende Fehler vermeiden, die anderswo zu Teil gemacht worden sind.“ Geschult werden müssen aber nicht nur die Damen und Herren in der Verwaltung, sondern auch der Gemeinderat. Dazu werde es in nächster Zeit Klausurtagungen geben.

Vorab gab der Gemeinderat grünes Licht, im Rahmen der Haushaltsplanung die für den Beratungs- und Schulungsaufwand nötigen Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Wie hoch diese Kosten sein werden, konnte der Bürgermeister aber nicht sagen.

Die Schweiz hat in den letzten 20 Jahren auf allen staatlichen Ebenen das doppische Rechnungswesen eingeführt. Politik und Verwaltung sind kostenbewusster geworden und Ausgaben- und Schuldenbremsen verhindern die Verschiebung von Lasten auf künftige Generationen.

Prof. Dr. Ernst Buschor

Das neue doppische Haushalts- und Rechnungswesen ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer wirksamen Verwaltungssteuerung. Deshalb kommt seiner zielgerechten Ausgestaltung eine entscheidende Bedeutung zu.

Prof. Dr. Jürgen Gornas

Eine verbesserte Steuerung ist das Hauptziel des neuen Haushalts- und Rechnungswesens der Kommunen. Zweifelsfragen bei der Erstellung von Eröffnungsbilanzen und Jahresabschlüssen sollten deshalb nicht "technisch" gelöst werden. Vorrangig ist zu fragen, mit welcher Bilanzierungsalternative (im Rahmen des gesetzlich Zulässigen) die Steuerung am besten unterstützt werden kann.

Prof. Dr. Martin Richter

Privatwirtschaftliche Unternehmen verschiedenster Wirtschaftszweige können und müssen im Wesentlichen mit einem einheitlich geregelten externen Rechnungswesen auskommen. Vor diesem Hintergrund ist die sich entwickelnde Vielfalt an unterschiedlichen Regelungen im kommunalen Haushalts- und Rechnungswesen weder verständlich noch notwendig. Diese Uneinheitlichkeit erschwert erheblich den interkommunalen Erfahrungsaustausch und den interkommunalen Leistungsvergleich.

Prof. Dr. Andreas Lasar
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