EPSAS - European Public Sector Accounting Standards

In Folge der Schuldenkrise in Europa hat die EU-Kommission die Harmonisierung des Rechnungswesens im öffentlichen Sektor empfohlen.  Basis der ersten Aktivitäten auf europäischer Ebene ist die Richtlinie 2011/85, wo eine Stellungnahme der EU-Kommission zur Eignung der IPSAS gefordert wird. Ein wichtiger Meilenstein im Prozess zur Einführung der EPSAS war die Durchführung von öffentlichen Konsultationen. Im Rahmen derselben wurde unter anderem festgestellt, dass 

  • die IPSAS nicht eins zu eins als EPSAS übernommen werden können, 
  • sie aber derzeit das einzige international anerkannte System für den öffentlichen Sektor sind.

Eine von Eurostat in Auftrag gegebene Studie (PWC 2014) hat ergeben, dass die Kosten für die deutschen Kommunen im Falle einer Umstellung zwischen 35 und 204 Millionen Euro liegen werden.

Von IPSAS zu EPSAS

Die Entwicklung der europäischen Standards wird im Bericht der EU-Kommission vom 6.3.2013 schrittweise vorgeschlagen. Die einzelnen Standards sollten unter Berücksichtigung folgender Aspekte erarbeitet werden:

  • Rechnungsführung nach dem Prinzip der Periodenrechnung,
  • Kompatibilität mit den Grundsätzen des ESVG und

  • eine international harmonisierte Rechnungslegung.

Da sich die IPSAS aus der Sicht der EU-Kommission als Basis der EPSAS eignen, könnten diese in drei Kategorien eingeteilt werden:

  • IPSAS, die ohne oder mit nur geringfügigen Änderungen übernommen werden können,
  • solche, bei denen Anpassungen notwendig sind und sie selektiv umgesetzt werden können und
  • Standards, für deren Übernahme umfangreichere Änderungen vorzunehmen sind.

Den Kernbestand zukünftiger EPSAS könnten laut Kommission beispielsweise die Normen bilden, die ohne bzw. mit nur geringfügigen Änderungen umsetzbar sind. Ein Entwurf einer Rahmenverordnung für die EPSAS soll bis Ende 2015 erarbeitet werden. In dieser Rahmenverordnung soll auch der Prozess der Entwicklung und Verwaltung (Governance) der EPSAS Berücksichtigung finden. 

Chancen und Risiken der EPSAS...

Eine Einführung der EPSAS bietet die Möglichkeit das Rechnungswesens in Europa zu harmonisieren und so die Vergleichbarkeit und Transparenz der Finanzdaten zu verbessern. Für Deutschland ist es eine Chance, die Vielfalt der Regelungen zur kommunalen Doppik anzugleichen.

Der Umstellungsprozess ist mit enormen Kosten verbunden. Demgegenüber steht ein nicht quantifizierbarer Nutzen. Die Vergleichbarkeit der Finanzdaten ist über einen längeren Zeitraum nicht mehr möglich. 

News zu EPSAS

Informationen zur Einführung von EPSAS aus der Sitzung der Task Force Governance im Juni 2015

Download (Englisch) hier.

Zusammenfassung der Sitzung der Task Force EPSAS-Governance von November 2014 in Luxemburg.

Eurostat hat im Dezember 2014 eine Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen bzgl. der vorbereitenden Arbeiten zur Harmonisierung des Rechnungswesens veröffentlicht.

Download (Englisch) hier.

Im Oktober 2014 hat Eurostat eine Studie veröffentlicht, die Nutzen und Kosten einer Reform des Rechnungswesens in Europa analysiert hat. Die Studie wurde von PWC erstellt.

Download (Englisch) hier. 

Berichtsentwurf von Eurostat zur öffentlichen Konsultation über die künftige Verwaltungsstruktur (Governance) der EPSAS (März 2014).

Download (Englisch) hier.

Bericht von Eurostat an den Rat und das Europäische Parlament zur Eignung der IPSAS für die Harmonisierung der Rechnungslegung in den Mitgliedsstaaten der EU(6.3.2013).

Download (Deutsch) hier.

Studie zum Umsetzungsstand der Periodenrechnung in den EU-Staaten (Overview and camparison of public accounting and auditing practices in the 27 EU Member States)

Download (Englisch) hier.

Stellungnahmen Bund

Bundestag, Bundesrat und Bundesrechnungshof haben sich kritisch mit der Einführung von europäischen Rechnungslegungsstandards befasst. In ihren Stellungnahmen und Beschlüssen weisen sie auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis hin und fordern eine ausreichende Berücksichtigung der deutschen Standards, Interessen und Erfahrungen. 

Der Beschluss des Bundesrates vom 14.02.2014 zur Einführung von EPSAS hier.

Bericht des Bundesrechnungshofes über die angestrebte Einführung von EPSAS in der EU vom 13. Februar 2014.

Literatur zu EPSAS

Entwicklung der öffentlichen Rechnungslegung in Europa - European Public Sector Accounting Standards (EPSAS), Herausgeber: Hessischer Rechnungshof, Wiesbaden 2014.

Andrea Stertz, EPSAS - eine Chance für eine harmonisierte Rechnungslegung in Europa, in: Entscheidungsorientierte Verwaltungssteuerung, Ralf Gerhards und Arnim Goldbach (Hrsg.), Saxonia Verlag, Dresden 2014.

Die Schweiz hat in den letzten 20 Jahren auf allen staatlichen Ebenen das doppische Rechnungswesen eingeführt. Politik und Verwaltung sind kostenbewusster geworden und Ausgaben- und Schuldenbremsen verhindern die Verschiebung von Lasten auf künftige Generationen.

Prof. Dr. Ernst Buschor

Das neue doppische Haushalts- und Rechnungswesen ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer wirksamen Verwaltungssteuerung. Deshalb kommt seiner zielgerechten Ausgestaltung eine entscheidende Bedeutung zu.

Prof. Dr. Jürgen Gornas

Eine verbesserte Steuerung ist das Hauptziel des neuen Haushalts- und Rechnungswesens der Kommunen. Zweifelsfragen bei der Erstellung von Eröffnungsbilanzen und Jahresabschlüssen sollten deshalb nicht "technisch" gelöst werden. Vorrangig ist zu fragen, mit welcher Bilanzierungsalternative (im Rahmen des gesetzlich Zulässigen) die Steuerung am besten unterstützt werden kann.

Prof. Dr. Martin Richter

Privatwirtschaftliche Unternehmen verschiedenster Wirtschaftszweige können und müssen im Wesentlichen mit einem einheitlich geregelten externen Rechnungswesen auskommen. Vor diesem Hintergrund ist die sich entwickelnde Vielfalt an unterschiedlichen Regelungen im kommunalen Haushalts- und Rechnungswesen weder verständlich noch notwendig. Diese Uneinheitlichkeit erschwert erheblich den interkommunalen Erfahrungsaustausch und den interkommunalen Leistungsvergleich.

Prof. Dr. Andreas Lasar
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